Sie sind hier

MyBone: wallonisches Wunder synthetischer Knochen

MyBone - © Cerhum
MyBone - © Cerhum

Implantate auf Maß

Cerhum ist dabei in Zusammenarbeit mit der Firma 3D-Side die kraniomaxillofaziale Chirurgie zu revolutionieren. Mit maßgeschneiderten Schädelimplantaten, wird die Heilung schneller und mit weniger Nebenwirkungen verlaufen.

Der menschliche Körper ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Entwicklung über Jahrtausende und die Medizin hat erhebliche Fortschritte gemacht. Die Technologie ist schon lange im OP angekommen. Nur im Bereich der „Ersatzteile“ war es bis vor kurzem noch fast unmöglich „just in time“ zu liefern, da der Mensch kein standardisiertes Serienprodukt ist. In Lüttich brauchten die Forscher Jahre unter der Leitung von Grégory Nolens, Dr. Sc. Biom., um die richtigen Materialien zu finden. Mit dem neuen keramischen Material kann man fast naturidentische Prothesen, die die Knochenregeneration ohne Abstoßung oder Infektionrisiko ermöglichen, herstellen.

3D und biokompatibel

Unter dem Namen MyBone werden zwei wesentliche neue Elemente miteinander verbunden: ein knochenähnliches Material und eine Implantationstechnik. Passgenau formbar, je nach beschädigtem Körperteil, sind die Prothesen dank der 100%igen Biokompatibilität und der Langlebigkeit, ein wesentlicher Fortschrift im Vergleich zu den herkömmlichen Methoden.

Bei der Markteinführung dieses Produkts konnte sich Cerhum und seine 3D-Technologie auf die von 3D-Side entwickelte Planungssoftware verlassen. Diese Bündelung von Kompetenzen wird Cerhum die Möglichkeit bieten bald auch Implantaten für den kraniomaxillofazialen Bereich herzustellen. 2015 wurde das Unternehmen gegründet und ist heute im Wissenschaftspark Lüttich ansässig und bereits in den Bereichen Orthopädie der Wirbelsäule, Zahnprothesen und Rekonstruktionschirurgie tätig.

Anwendungsmöglichkeiten in unterschielichen Operationen

Von dieser neuen Technologie können verschiedene Arten von Patienten Nutzen ziehen. Tatsächlich können Ärzte es bei verschiedenen hochpräzisen Operationen einsetzen: bei der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, aber auch in der Orthopädie, der plastischen Chirurgie uvm. Grégory Nolens gibt ein sehr präzises Beispiel: „Wir könnten die Wiederherstellungschirurgie einer Gaumenspalte merklich beschleunigen. Mit dem Knochenimplantat können wir aus Mikrogewebeproben den Knochen regenerieren. Der Hauptvorteil besteht darin, die Anzahl der Eingriffe drastisch zu reduzieren.“ Laut Dr. Nolens sind die Vorteile für den Patienten erheblich: bessere Versorgungsqualität, minimal invasive Chirurgie und weniger Nebenwirkungen. Von ärztlicher Seite sind die Kommentare auch deshalb so positiv, insbesondere weil die Dauer des Eingriffs verkürzt und die Abstoßungsrate geringer ist.

Auf der digitalen Plattform der Firma 3D-Side kann der Chirurg alle Daten des Patienten (CT-Scan, MRI und CB-T…) konsultieren und die Abmessungen des Implantats sehr präzise eingeben. Der „Bauplan“ wird online an Cerhum übermittelt. Das Unternehmen stellt dann die Prothese her. Nach einer gründlichen Kontrolle wird sie sterilisiert und in die Klinik verschickt.

Belgische und ausländische Krankenhäuser machen mit

Nach allen Prüf- und Zertifizierungsphasen hat das Unternehmen das Ziel, Ende 2019 mit den ersten klinischen Versuchen mit Schädelimplantaten starten zu können. Bereits heute arbeitet sie mit verschiedenen Unikliniken in Belgien (CHU Sart Tilman in Lüttich, Chirec in Brüssel, usw.) und im Ausland wie Spanien, England und Deutschland zusammen. „Darüber hinaus schätzen die Chirurgen der Uniklinik Löwen (UCL) und der Uni Gent die 3D-Side-Produkte, um komplexe Operationen zu planen. Cerhum bedeutet eine wesentliche Ergänzung zu 3D-Side.“ Die Anzahl der Eingriffe in der Wiederherstellungschirurgie, wegen Unfällen und Krankheiten wächst. Darauf kommt Dr. Nolens zum Schluss: „Die technischen Möglichkeiten nehmen zu und jetzt müssen auch die Krankenkassen folgen. Die neue Behandlungsmethode (kürzer, mit weniger Nebenwirkungen und schnellerer Reha) macht es möglich Kosten einzusparen. Wir gehen davon aus, dass wir die Gesundheitsbehörden mit diesen Argumenten überzeugen können.“

Die Kaptitalerhöhung läuft

In den kommenden drei Jahren sollen 25 direkte und 50 indirekte Arbeitsplätze geschaffen werden. Daher bekommt Cerhum eine Finanzspritze von der öffentlichen wallonischen Investitionsagentur Noshaq, die sich für 15,5 % am Kapital beteiligt, sowie zwei Millionen von der Wallonischen Region. „Auch bei unserer Kapitalerhöhung von fünf Millionen kommen wir sehr gut voran. „Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass in den kommenden Monaten andere private oder öffentliche Investoren sich für dieses neue wallonische Flaggschiff interessieren werden.

Quelle: Vincent Liévin « MyBone : l’os synthétique wallon miracle », www.wallonia.be, 22.08.2019